Die Friedhofskapelle
Im 18. Jahrhundert war Volkmarsen mehrheitlich katholisch, im Gegensatz zu vielen umliegenden Orten, die protestantisch geprägt waren. Dies lag daran, dass Volkmarsen kurkölnisch war (unter der Herrschaft des Erzbistums Köln), was den katholischen Glauben aufrechterhielt. Die Stadt war also ein katholisches Zentrum inmitten einer überwiegend protestantischen Umgebung.
Anfang des 18. Jahrhunderts wurde erkennbar, dass der die Pfarrkirche St. Marien umgebende Friedhof, der wahrscheinlich seit Fertigstellung der Pfarrkirche (1338) belegt worden war, weitere Bestattungen nicht mehr ermöglichte. Unter „landgräflicher großherzoglicher Darmstädter Oberhoheit“ waren weitere Belegungen untersagt. Um diese Zeit war ein neuer Friedhof am oberen Tor, der sogenannte „obere Friedhof“ angelegt, der ab dem Jahr 1717 auch als Gottesacker benutzt wurde. Am Hauptweg zur Kapelle steht linker Hand ein ca. 3 Meter hohes Sakramentshäuschen aus Sandstein, in dem das Datum „Anno 1717 den 25. Martii“ eingemeißelt ist.
Auf diesem „oberen Friedhof“ sollte dann auch ein Gotteshaus entstehen. Die barocke Kapelle wurde in den Jahren 1749 bis 1756 erbaut. Als Bauherr ist Pfarrer Johann Jakob Scheck verzeichnet. Die den Heiligen Johannes von Nepomuk und Carl Borromäus gewidmete Kapelle wurde am 22.12.1756 von dem Granden von Gondolo und dem Kirchenfürsten Clemens August von Köln, Suffraganbischof von Paderborn eingeweiht. Die Baugelder wurden aus der Mitte der Bürgerschaft gestiftet. Im Jahr 1773 kam ein gemalter Hauptaltar mit dem Motiv der Seelen im Fegefeuer und den Holzfiguren des heiligen Josef, Franziskus und Nepomuk neu in die Kapelle. Von den drei ursprünglich in der Kapelle befindlichen Altären ist der Hauptaltar übriggeblieben.
In der Friedhofskapelle fällt noch ein Kreuz an der rechten Seitenwand ins Auge. Es zeigt die Marterwerkzeuge und Gegenstände, die bei der Kreuzigung Jesu verwendet wurden z.B. Nägel durch Hände und Füße, Hammer, Peitsche, Stab mit Essigschwamm, Schweißtuch mit seinem Gesicht, Zange usw., aber keinen ganzen Körper von Jesus.
Neben der Tür findet man innen eine Figur des auferstandenen Jesus. An ihm erkennt man gut die Wundmale der Nägel und der Seitenlanze.
Der älteste erhaltene Grabstein auf dem katholischen Friedhof ist über 160 Jahre alt.
Anfang der 1980er Jahre war der katholische Friedhof von den Belegungszahlen her auch wieder an seine Grenzen gestoßen, so dass die Stadt Volkmarsen einen neuen Städtischen Friedhof an der Herbser Straße anlegte. Ab dem Zeitpunkt fanden auf dem katholischen Friedhof für viele Jahre keine weiteren Begräbnisse mehr statt. Ziel war es im Laufe der Jahre eine Park-Anlage in der Nähe des Stadtzentrums zu haben.
Im Jahr 1983 hat die katholische Kirchengemeinde das Dach der Kapelle sanieren lassen, um zunächst das Innere vor weiterem Verfall zu schützen. Im Jahr 2015 erfolgte dann eine umfassende Renovierung (Dach, Mauern, Innenraum). Der Stil: schlicht barock, mit klassischer Gliederung, Altar und Figuren in warmen Goldtönen. Die feierliche Wiedereinweihung fand am 25. Oktober 2015 nach dem Hochamt mit einer Andacht statt.
Auf Drängen der Bevölkerung wurde der Friedhof wieder in Betrieb genommen.
Der katholische Friedhof steht nun allen Volkmarser Bürgerinnen und Bürgern als Begräbnisstätte zur Verfügung.
In der vergangenen Zeit kam es bezüglich der Nutzung der Friedhofskapelle immer wieder zu Irritationen. Die Kapelle auf dem katholischen Friedhof ist eine „geweihte Kapelle“, die durch die kirchliche Weihe nur für christliche Liturgie genutzt werden darf.
Weltliche Trauerfeiern sind deshalb in der Friedhofskapelle auf dem katholischen Friedhof nicht möglich.
Markus Kremper